Artikel mit ‘Schriftsteller’ getagged

Flüchtig und irrelevant?

Montag, 02. März 2009

Ha – diese Blogtexte, die seien doch schnell hingehuscht und bloß für den Moment geschrieben! So lautet ein gängiges Vorurteil, vor allem derjenigen, die sich diesem fuuuchbaa’n Netz nur von Journalisten am Patschehändchen geführt nähern mögen. Die Zeitung dagegen, öhem! die sei dagegen – - – hmmm! die sei dagegen? – - – nun eigentlich sei die ja auch bloß für den Papierkorb geschrieben. Jedenfalls dann, wenn einer dieser hochverehrten Vorurteilsträger mal kurz seine holzfarbene Brille abnehmen möchte, um auf die Realien zu blicken: Die Zeitung wandert am nächsten Tag schon ins Altpapier und ab ins Nirwana, Blog- und Online-Texte erscheinen dagegen nach Jahren noch auf dem Bildschirm, weil die große Gurgelmaschine einfach nichts vergisst. Google hat nämlich den Papierkorb zu seinem Archiv ernannt – und leert ihn niemals aus …

Das Dahinsterben der Holzmedien führt daher keineswegs zu mehr Huschhusch- oder Wie-gerülpst-so-geschrieben-Texten. Genau andersherum wird ein Schuh daraus. Nur hat sich das noch nicht recht herumgesprochen: Während ein Holzjournalist sich um sein Elaborat keinen großen Kopp machen muss, weil für ihn am nächsten Tag immer Aschermittwoch ist, da sind online alle Texte ein Produkt wie Rotwein – sie reifen im Netz. Ein Roman Libbertz kriegt dann nach Jahren plötzlich erneut eine höchst fragwürdige Publicity, weil ein anderes Blog neu auf einen älteren Beitrag anderswo verlinkte. Kurzum: Blog-Content never dies …

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Denkfutter

Donnerstag, 29. Januar 2009

Wenn Sie Schriftsteller werden wollen, müssen Sie vor allem zweierlei tun: viel lesen und viel schreiben. Um diese beiden Dinge kommen Sie nicht herum, nicht daß ich wüßte. Da gibt’s keine Abkürzung.  … Von jedem Buch, das man in die Hand nimmt, kann man etwas lernen, und oft sind es die schlechten Bücher, die mehr lehren, als die guten”.

Stephen King

Denkfutter

Montag, 22. Dezember 2008

Wer schreibt, geht unter die Schriftsteller, das müßte sich auch ein Gelehrter klarmachen. Ein Gedanke verlangt nicht nur Inhalt, sondern auch Form, und die Gabe der Form fehlt so vielen deutschen Köpfen.”

Otto Flake: Freiheitsbaum und Guillotine

Hoch die Tassen!

Montag, 10. November 2008

Saufen, Kiffen, Näschen pudern … dass die Schriftstellerei eine drogenverseuchte Veranstaltung ist, davon versuchen uns nur besorgte Deutschlehrer abzulenken, die jeden Zusammenhang von Inspiration und körperfremden Substanzen beschweigen. Die Rede ist dabei nicht nur von den ‚üblichen Verdächtigen’, also von ‘Intellektuellendrogen’ wie Kaffee, Tee oder Tabak.

Unser großer Olympier, der Weimarer Geheimrat, lehnte den Tabak, die häufigste Schriftstellerdroge, vehement ab: Seinen Kumpel Schiller schickte er zum Schmöken immer vor die Haustür, damit der ihm nicht den Musentempel vollstinke. Dafür aber hielt sich Goethe am Wein schadlos, von dem er am Tag zwei Bouteillen vertilgt haben soll, dann, wenn er nicht eine seiner tagelangen Kneiptouren nach Jena unternahm. Denn auch der Fritze Schiller soff gern und viel – und vom fidelen Christoph Martin Wieland sind uns neben Geisteswerken auch opulente Weinbestellungen überliefert. Vieles von dem, was wir über den ‚Beigebrauch’ unserer Dichterfürsten wissen, hat uns übrigens der Society-Löwe Carl August Böttiger in seinem – nach Ansicht von Pädagogen und Nachruhmpflegern – allzu intimen Tagebuch verpetzt.

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Wer schreibt, ist zu zweit

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Wer Texte für ein öffentliches Netztagebuch schreibt, der erfindet nicht nur sich als Person, wie es guter Brauch unter Textern ist, sondern er erdichtet immer auch einen Leser hinzu – mindestens einen. Also wird er notwendigerweise Dinge verschweigen: alles, was dann doch ‘zu persönlich’ ist. So offen ist kein Blog, dass der Schreiber diese Hemmung fallen lassen könnte, dem letzten Handtuch in der Sauna gleich. Ob ein Schreiberling seinen Leser später wiederfinden wird, ist eine ganz andere Frage. In allem aber, was er schrieb, war ihm dieser Leser ständig präsent. Nie ist daher in einem Text der Schreiber daher ‘ganz’ oder ‘ausgesprochen’ vorhanden – auch und gerade nicht in solchen ‘elektronischen Tagebüchern’ wie hier.

Ach so – ‘Hallo, liebe Voyeure da draußen!’

Denkfutter

Sonntag, 21. September 2008

Wer gute deutsche Aufsätze macht, wird in der Regel ein Kommis. Wer schlechte macht und dafür im Lateinischen besteht, wird wahrscheinlich ein Schriftsteller.”

Karl Kraus

Denkfutter

Donnerstag, 18. September 2008

Mir fiel dabei wieder ein, was Professor Direktor Ewald vor etwa zwanzig Jahren mal im August v. Heydenschen Hause zu mir sagte: “Wissen Sie, Schriftstellerei ist eigentlich gar keine Kunst.” Ich fand es damals nicht sehr verbindlich gegen mich, und verbindlich finde ich es auch heute noch nicht. Ich habe aber längst zugegeben, daß es wahr und richtig ist. Nur Verse, namentlich schwierige, sind eine Kunst. Alles andere kann jeder Gebildete, und unendlich oft macht es der Laie besser als der Fachmann, weil er frischer und naiver ist.”

Theodor Fontane