Artikel mit ‘Sprache’ getagged

Resterampe für Archaismen

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Eine kleine ‘Altkleidersammlung’ für neuerdings verbrauchtes Vokabular habe ich drüben in der ‘medienlese’ ins Leben gerufen.

Denkfutter

Donnerstag, 09. Oktober 2008

Wer zu seinen Schilderungen den natürlichen Stil von heute finden will, muß wissen, daß es da nur drei, drei Quellen gibt: Erstens die Alltagssprache, die ihm selbst und seinem Nachbarn aus dem Munde quillt. Man halte sich an seinen Nachbarn, er spricht natürlicher. Diese Sprache merke man sich, studiere sie, stenographiere sie nach. Sie ist reizvoll, voller Varianten, unglaublich farbig, und literarisch so gut wie unbekannt. Sie ist brauchbar zur Tragik, Komik, Burleske, Ironie, Naivität, Galgenhumor und Humor ohne Galgen. Und sie gewährt einen ungeheuren Vorteil: wer in ihr spricht oder schreibt, wird vor Schwindel, Schmus, Kunst und gelehrtem Schwachsinn bewahrt.

Zweiter natürlicher Brunnen mit oder ohne Sauerstoffbläschen: die gewöhnliche Wald- und Wiesenzeitungssprache lokaler Teil (Vorsicht bei Politik, Warnung vor dem Feuilleton.) Eine solide Brandkatastrophe oder ein größerer Rohrbruch ist nicht nur allgemein lehrreich, sondern seine Schilderung erfolgt in der Regel klar deutlich, wesentlich. Ein dreifaches Hoch der Lokalredaktion!

Und dann kommt die Musike, die Reklame. Ich empfehle: man achte auf die Reklame und lasse Stefan George und Rilke hinter sich (…)”.

Alfred Döblin

Die Sprache dieser Leute

Freitag, 05. September 2008

Schreibend sollen wir uns der ‘Sprache der Leute’ nähern, so lautet das große Stilideal des Authentischen. Es fragt sich nur, welcher Leute? Es gibt ja so ‘ne und so ‘ne. Nehmen wir in diesem Fall einfach mal unsere Business- und Leisure-Class, denn diese Wirtschaftsführer werden sowieso viel zu selten porträtiert. Bekanntlich sind Führungsaufgaben keine bildungsförderlichen Angelegenheiten, dafür bleibt unseren ‚proaktiven’ Eliten gar keine Zeit. So klingt die Sprache dann auch; sie haben sich einen Jargon angewöhnt, der einen verbalen Vorhang vor ihre menschlichen Defizite zieht. Begeben wir uns einfach mal im Geiste auf eine solche Gartenparty: Da sehen wir also ein großes Haus mit mächtigen Säulen vor der Freitreppe, einen riesigen grünen Rasen mit einem weißen Zelt, leise Musik läuft – Al Jarreau oder irgendeine andere dieser weichgespülten Soundtapeten -, dazu belauschen wir den folgenden Smalltalk, wobei ich jedes der authentischen und zugleich sozialen ‘Keywords’ in Fettdruck setze:

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Werben etwa schwache Verben?

Donnerstag, 04. September 2008

Der Beruf färbt auf den Sprachgebrauch ab – da bin ich mir ganz sicher. Plötzlich, wenn der CEO aus dem heimischen Duffenhausen ins ferne Delhi reist, dann geht es auch dort im wilden Hindustan zu wie in einer bundesdeutschen Kommunikationsschmiede, zumindest dann, wenn Andreas Severin schreibt, immerhin CEO einer der größten Verbalmunitionsfabriken dieses Genres. Denn der Mensch nimmt seine Sprache immer mit sich – und damit meine ich keineswegs bloß die Muttersprachlichkeit, sondern – wie in diesem Fall – eine auserlesene Sammlung glattgeschliffener Himbeertoni-Verben, die dem mörderischen Geschehen auf den Straßen dort unten am Ganges nicht im Ansatz gerecht werden können:

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Denkfutter

Montag, 01. September 2008

Wer die deutsche Sprache beherrscht, wird einen Schimmel beschreiben und dabei doch das Wort ‘weiß’ vermeiden können.”

Kurt Tucholsky