Artikel mit ‘Syndication’ getagged

Krise? – Welche Krise?

Donnerstag, 31. Mai 2012

Im Jahr 2003 wurden demnach [in Deutschland] noch 3,441 Mrd. Zeitungen und Zeitschriften verkauft, 2011 nur noch 2,441 Mrd., also eine ganze Milliarde weniger.”

Das könnte jetzt einerseits natürlich am blöden, kulturfernen Publikum liegen, das wahre Werte und funkelnden Geist gar nicht mehr zu schätzen weiß. Andererseits kämen vielleicht auch die Themen, der Stil und die Inhalte in Frage, also all die Schmid-Fleischhauer-Lehming-Matussek-Marguier-Seibel-Köppel-Broder-Schuster-und-so-weiter-und-so-fort-Artikel – womit die Genannten nach dem ‘Raumschiff Bonn’ sich ein ‘Raumschiff Redaktion’ ausgestalten durften, und jetzt zwischen ‘Einstein’ und ‘Borchardt’ in ihrem eigenen Orbit um das Schwarze Loch des Neoliberalismus kreisen. Nicht vergessen wollen wir aber auch unseren famosen rundgelutschten Syndication-Qualitätsjournalismus, der uns Tag für Tag so Content macht, wie es die Geschäftsleitung befiehlt, welche – statt auf Lot und Kompass – bei ihrer Fahrt ins Unbekannte lieber auf einen ehernen Renditeplan vertraut …

Syndication – und die Folgen

Dienstag, 03. April 2012

Die stolze falsche Exklusivmeldung steht jetzt noch vergessen im Online-Auftritt des Schwesterblattes »Wirtschaftswoche« herum, das Meldungen des »Handelsblattes« vermutlich als Teil einer Qualitätsoffensive aufträgt.

Hihi, diese Metapher des Herrn Niggemeier sitzt einfach – sie kleidet auch die zweite Garnitur dieser verlegt verlogenen verlegenen verlegerischen Kinderschar in den publizistischen Einheits-Look.

Eine Million Meinungen

Donnerstag, 01. März 2012

Sind wir Deutschen wirklich ein einig Volk von Masochisten? Auf den Gedanken könnte kommen, wer Tartarenmeldungen wie die folgende liest:

Christoph Keese, ehemals Journalist und nun Cheflobbyist des Axel-Springer-Verlags, schreibt: “Gewerbliche Kopisten (stehlen) oft tausende Artikel auf einmal.”

Demnach gäbe es also Leute, die es zu ihrem ‘Gewerbe’ gemacht hätten, tausendfach banalste Zeitungsartikel zu rippen? Wobei zwischen ‘Kopieren’, ‘Lesen’ und ‘Klauen’ auch noch schlicht Gleichheitszeichen gesetzt werden? Bekloppter geht’s wohl nimmer! Das Problem der Zeitungen, die auch ich ein halbes Stündchen täglich vor dem Monitor konsumiere, besteht darin, dass es längst absolut genügt, einen einzigen Artikel zu lesen, um sie alle zu kennen. Die deutsche Publizistik befolgt das gute alte Alleeprinzip: Rechts ‘ne Pappel, links ‘ne Pappel, in der Mitte druckfrisch der Appel! Und der riecht auch noch komisch …

Nach der Lektüre einer Ausgabe der ‘Süddeutschen’ müsste ich schon zu hartem Stoff wie dem ‘Bayernkurier’ oder dem ‘Neuen Deutschland’ wechseln, um wirklich eine neue und andere Sicht auf die ewiggleichen Tagesmeldungen zu erhalten. Einige Zeitungen – wie die ‘Berliner’ und die ‘FR’ – sind dank ‘Zündikäjschen’ längst wortidentisch geworden. Wer also ‘tausendfach’ und freiwillig solche Artikel konsumiert, der verfügt über einen verdammt starken Magen, und dazu über Nerven wie Drahtseile. Anders ausgedrückt – das, was der Plakatmann unserer Verlegerzunft dort verkündet, ist analytisch schlicht Keese …

In Wahrheit ist es wohl so, dass sich die Individuen von Tageszeitungen und anderen Massenmedien zunehmend emanzipieren. Denn wegen der Anzeigen – einstmals ein echtes Kaufmotiv! – müssen sie keine Tageszeitung mehr erwerben, diese Anzeigen sind (bis auf die Todesanzeigen) längst ins Netz oder in Gratismedien abgewandert. Wozu also Pumpernickel abonnieren?

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die ‘Meinungsmache’ gleichgeschalteter und massenmedialer Zeiten oft auch einer ‘Blendung’ gleichkam. Immer galt es, aus Menschen ein ‘Volk’ oder eine ‘Herde’ zu formen. Die Zeitungen blökten uns vor, was die Besitzer gern hörten. Seit Hugenberg war ein manipulatives Verständnis von Publizistik vorherrschend – es hieß später nur netter, zum Beispiel ‘organisierte’ oder ‘formierte Öffentlichkeit’. Jetzt versagt plötzlich diese Dressur.

Ich kann an der neuen Freiheit des Publikums nichts Schlimmes finden, aber ich bin ja auch kein Verleger. Und wohin es uns führen wird, wenn sich jeder Mensch eine Privatmeinung zulegt, ist bisher weitgehend unerforscht. Das eigentliche Problem der Verleger aber sind die Verleger, vor allem diejenigen mit den kostenlosen Gratisblättchen, in denen außer Beilagen gar nichts Lesenswertes mehr zu finden ist:

„Die Edekas, Aldis und Lidls gehen mehr und mehr mit ihren Anzeigen aus den Tageszeitungen raus und machen lieber Beilagen in Anzeigenblättern“, sagt Tölcke.

Stehen oder Gehen?

Freitag, 28. Oktober 2011

Merkel erwartet noch viele Schritte im Kampf gegen die Euro-Krise.”

Beste Frau Merkel, Schritte muss man (oder frau) auch machen. Wer, wie an einer Haltestelle, lässig und fahrplanfixiert den Bus nach Irgendwo im krisengeschüttelten Eurostan “erwartet”, der erwartet schlicht ein Niemals – ganz wie die Jungs im Theater den Godot. Allerdings kann Ihr sprachlich prognostiziertes Fehlverhalten natürlich wieder mal am bildfernen Focus-Stil und dessen burdadaistisch dahingehuschten Headlines liegen. Dem Verfasser, diesem “hei/dapd/dpa/AFP” aus dem Stamme der Patschwörker prophezeie ich jedenfalls eine große Karriere – da klingt schon alles haargenau wie die Zukunft des Journalismus …

Neusprech

Samstag, 24. April 2010

Wann kapiert ihr das endlich mal, ihr Dummbaddel von der ‘Berliner Zeitung’? Es wird keine “Mehrfachverwertung von Texten” geben, sondern nur eine “Syndication“. Und die befürchtete “Zentralredaktion” gibt es auch nicht, sondern nur einen “Autorenpool“, in dem ihr dann jeden Tag baden gehen könnt. Mehr Fürsorge ist ja wohl nicht denkbar …

‘Es gibt Eintopf’ heißt das:

Freitag, 15. Mai 2009

“DuMont Schauberg will das Syndication-Modell seiner Zeitungen ausweiten”.

‘Syndication’ — tssss! Das ist das marketingübliche Gesabbel von ‘Vorteilspackungen’, nur weil der Produktmanager den Inhalt mal wieder geschrumpft hat. In solchen Fällen allerdings bin auch ich gegen’s Denglische – besser gesagt: gegen die Tünche einer faktenenthobenen Unternehmenssprecherei …