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Synonymitis

Freitag, 01. Juni 2012

Das Wörtchen ‘Geld’ – durch ‘Schotter’, ‘Moos’, ‘Zaster’, ‘Mammon’, ‘Knete’, ‘Knatter’, ‘Penunze’ usw. schon überreich mit Synonymen bedacht – erhielt durch die galoppierende Bankenkrise nochmals einen Schwung gleichbedeutender Wortschätzchen zur Seite gestellt, um drohenden Gleichklang in Texten und Statements zu vermeiden. Ich zitiere mal aus einem einzigen Artikel der ‘Financial Times Deutschland’:

Direkthilfen = Geld
Rekapitalisieren = Geld
Instrumente zur Finanzhilfe = Geld
Intervenieren = Geld
Einsatz des Rettungsfonds = Geld
Direktvergabe = Geld
Krisenmanagement = Geld
Milliardenspritze = Geld
usw. usf.

Stattdessen hätte der Schreiber auch ‘Penunzenlotto’, ‘Schottermanagement’, ‘Re-Mammonisation’, ‘Zasterisierung’, ‘Moosspritze’, ‘Kneteausschüttung’, ‘Knatterhilfe’, usw. schreiben können. Die Wirtschaftsartikel würden ohne die verschleiernde Kunstwortsprache gleich viel verständlicher – wie auch das Wissen darum, worum es im Bankgewerbe eigentlich geht. Leicht verfremdet klänge das Resultat dann vielleicht so:

“Angesichts des misslungenen Penunzenlottos in Spanien bringen Europas Gelddrucker Moosspritzen für leergeräumte Geldspeicher aus dem Knatterhilfefonds ESM ins Spiel. “Leute arbeiten an Wegen, wie der ESM sein Schottermanagement nutzen kann, um diese Geldspeicher aufzufüllen und zu remammonisieren”, sagte Mario Draghi, Chef der Notenpresse, am Donnerstag im EU-Parlament. “Das Thema ist nicht so sehr, ob ESM-Mäuse zur Zasterisierung genutzt werden dürfen, sondern, ob das möglich ist, ohne dabei die vormaligen Besitzer zu fragen.”

Leben in Absurdistan

Samstag, 06. August 2011

Nahezu alle Zeitungen machten gestern mit dieser oder einer ähnlichen Schlagzeile auf: “Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar.” – Nanu? Was war los?

Da gibt es also zahlreiche Unternehmen, die sich Stück für Stück und in ganz vielen Teilen (‘Aktien’) selbst an Spekulanten verhökert haben, weil die wiederum auf Dividende scharf waren. Diesen Unternehmenspapierchen (Sachwert etwa 2,5 US-Cent) wird auf Grund von Marktstellung, Patenten usw. ein gewisser zusätzlicher Wert zugeschrieben, der dann darüber entscheidet, wie reich der werte Anleger sich fühlt. So weit, so gut, so verständlich.

Nirgends aber sind plötzlich Billionen von Dollar geschreddert worden: Die Unternehmen produzieren heute weiterhin ihre Maschinchen, die Patente lagern gut verschlossen in den Tresoren, kein Fabrikgebäude ist abgebrannt, dem werten Anleger gehören noch immer unverändert die gleichen Bruchteile dieses Unternehmens. Das Einzige, was sich verändert hat, sind überkandidelte Ansichten von notorischen Zockern darüber, wie viel das wohl wert sein möge, was dort auf den Unternehmensgrundstücken herumsteht. Eine Blase aus illusionären Annahmen ist geplatzt, die heiße Luft ist raus, der Sachwert ist geblieben. Wir dürfen deshalb nicht annehmen, das in diesen ‘Bubbles’ jemals etwas ‘existiert’ hat, was jetzt ‘vernichtet’ worden sei. Einigen Zockern ist schlicht ihr Stapel aus Jetons geschrumpft. Letztlich war das alles doch nur Spielgeld … um mich für Journalisten verständlich auszudrücken: frei flottierendes Finanzkapital, ohne jeden produktiven Nutzen.

Gerade sehe ich, dass der Herr Lübberding das ähnlich sieht.