Artikel mit ‘Wirtschaft’ getagged

Beunruhigte Märkte

Dienstag, 25. Juni 2013

Liebe Kinder, heute erkläre ich euch mal Wirtschaft. Diese Wirtschaft, das ist jene Veranstaltung, die vor allem von den reichen Leuten am Laufen gehalten wird. Also von denen, die mehr Geld haben, als sie vernünftigerweise ausgeben können. Weil die so viel Geld haben, sind sie auch ganz doll ängstlich. Es gibt auf der Welt nichts Furchtsameres als einen reichen Mann. Manche nennen diese reichen Leute übrigens auch ‘Kapitalisten’ und sie bezeichnen das panische Hin- und Herrennen mit all dem lieben Geld als ‘Kapitalismus’. Andere drücken sich vornehmer aus und sagen stattdessen ‘Märkte’ oder ‘unser Wirtschaftssystem’.

Der Kern aber bleibt sich gleich – im Mittelpunkt alles Geschehens steht stets der Glaube völlig verängstigter Menschen, dass ihr Geld vor allem sicher sein müsse. Der Gewinnglaube wie auch die Verlustangst dieser Menschen – das ist der entscheidende Motor unserer Wirtschaft. Kein anderer Trieb wirkt in diesem Bereich – nicht Vaterland, nicht Hunger, nicht Not, nicht Vernunft oder Bedarf – es gibt immer nur die Gewinnerwartung und die Verlustangst. Diese Gefühle regieren die Welt.

Solange solche Menschen meinen, morgen würden sie mehr Geld haben als heute, brummt das System wie erwünscht. Die Fachleute sprechen dann von einer ‘guten Konjunktur’ oder von ‘Wachstum’. So etwas kann von den Regierungen sogar befördert werden. Als bspw. für Biogasanlagen Gewinne garantiert wurden, baute alle Welt plötzlich Biogasanlagen – und Jauche wurde zu einem knappen Gut, das wir heute sogar aus Holland importieren. Der reiche Mann verlor wegen der Garantien der Politiker seine unaufhörliche Angst und er steckte Geld in duftende Fermenter und in Blockheizkraftwerke hinein – er ‘investierte’ es, um den Fachausdruck zu verwenden. Und weil dieser Gewinnglaube so übermächtig war, liehen ihm sogar die Banken Kredite, wenn das eigene Geld nicht reichte.

Was aber ist, wenn solcher Gewinnglaube plötzlich platzt, wenn der reiche Mann sein Geld nicht mehr sicher wähnt, vor allem, weil ihm bestallte Weltuntergangsprediger den Teufel an die Wand malen? Derartige Prediger sitzen übrigens zumeist in den Banken, in den Zeitungen und in Verbänden, und sie nennen sich entweder ‘Experten’ oder ‘Journalisten’. Regelmäßig beginnt dann, sobald nur genügend Prediger dem reichen Mann Sodom und Gomorrha an die Wand malen und die ganze Herde in Unruhe gerät, ein wahres Rattenrennen: Heraus aus dem Risiko, heißt plötzlich die Parole, und einer steckt damit den anderen an. Denn Risiko und Reichtum, das ist wie Feuer und Wasser.

Die Ware verliert an Wert, die Preise sinken, die Fabrikation stockt, der Absatz schmilzt, der Kredit wird nicht mehr gewährt, der Schuldner wird zur Zahlung gedrängt, der reiche Mann flieht holterdipolter mitsamt seinem Geld in die Pampa. Die Fachleute sprechen dann von einer ‘Krise’ und von ‘beunruhigten Märkten’, also von reichen Leuten, die sich plötzlich vor Panik in die Hose pinkeln. Das Geld wäre zwar immer noch da, aber es ist nicht mehr dort, wo es nötig ist.

Solche Krisen lassen sich natürlich erzeugen. Das ist der Fall der so genannten ‘Schuldenkrise’. Die reichen Leute in ihrer unaufhörlichen Angst steckten nämlich immer schon viel Geld in Staatsanleihen. Sie pumpten also ihren Regierungen Geld, weil es dort als absolut sicher galt. Je mehr Schulden ein Staat machte, desto mehr Geld konnten die reichen Leute sicher bunkern. Dafür verzichteten sie zwar auf ein wenig Gewinn, sie konnten sich aber beruhigt ins Kissen lehnen und den Dackel streicheln.

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Synonymitis

Freitag, 01. Juni 2012

Das Wörtchen ‘Geld’ – durch ‘Schotter’, ‘Moos’, ‘Zaster’, ‘Mammon’, ‘Knete’, ‘Knatter’, ‘Penunze’ usw. schon überreich mit Synonymen bedacht – erhielt durch die galoppierende Bankenkrise nochmals einen Schwung gleichbedeutender Wortschätzchen zur Seite gestellt, um drohenden Gleichklang in Texten und Statements zu vermeiden. Ich zitiere mal aus einem einzigen Artikel der ‘Financial Times Deutschland’:

Direkthilfen = Geld
Rekapitalisieren = Geld
Instrumente zur Finanzhilfe = Geld
Intervenieren = Geld
Einsatz des Rettungsfonds = Geld
Direktvergabe = Geld
Krisenmanagement = Geld
Milliardenspritze = Geld
usw. usf.

Stattdessen hätte der Schreiber auch ‘Penunzenlotto’, ‘Schottermanagement’, ‘Re-Mammonisation’, ‘Zasterisierung’, ‘Moosspritze’, ‘Kneteausschüttung’, ‘Knatterhilfe’, usw. schreiben können. Die Wirtschaftsartikel würden ohne die verschleiernde Kunstwortsprache gleich viel verständlicher – wie auch das Wissen darum, worum es im Bankgewerbe eigentlich geht. Leicht verfremdet klänge das Resultat dann vielleicht so:

“Angesichts des misslungenen Penunzenlottos in Spanien bringen Europas Gelddrucker Moosspritzen für leergeräumte Geldspeicher aus dem Knatterhilfefonds ESM ins Spiel. “Leute arbeiten an Wegen, wie der ESM sein Schottermanagement nutzen kann, um diese Geldspeicher aufzufüllen und zu remammonisieren”, sagte Mario Draghi, Chef der Notenpresse, am Donnerstag im EU-Parlament. “Das Thema ist nicht so sehr, ob ESM-Mäuse zur Zasterisierung genutzt werden dürfen, sondern, ob das möglich ist, ohne dabei die vormaligen Besitzer zu fragen.”

Leben in Absurdistan

Samstag, 06. August 2011

Nahezu alle Zeitungen machten gestern mit dieser oder einer ähnlichen Schlagzeile auf: “Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar.” – Nanu? Was war los?

Da gibt es also zahlreiche Unternehmen, die sich Stück für Stück und in ganz vielen Teilen (‘Aktien’) selbst an Spekulanten verhökert haben, weil die wiederum auf Dividende scharf waren. Diesen Unternehmenspapierchen (Sachwert etwa 2,5 US-Cent) wird auf Grund von Marktstellung, Patenten usw. ein gewisser zusätzlicher Wert zugeschrieben, der dann darüber entscheidet, wie reich der werte Anleger sich fühlt. So weit, so gut, so verständlich.

Nirgends aber sind plötzlich Billionen von Dollar geschreddert worden: Die Unternehmen produzieren heute weiterhin ihre Maschinchen, die Patente lagern gut verschlossen in den Tresoren, kein Fabrikgebäude ist abgebrannt, dem werten Anleger gehören noch immer unverändert die gleichen Bruchteile dieses Unternehmens. Das Einzige, was sich verändert hat, sind überkandidelte Ansichten von notorischen Zockern darüber, wie viel das wohl wert sein möge, was dort auf den Unternehmensgrundstücken herumsteht. Eine Blase aus illusionären Annahmen ist geplatzt, die heiße Luft ist raus, der Sachwert ist geblieben. Wir dürfen deshalb nicht annehmen, das in diesen ‘Bubbles’ jemals etwas ‘existiert’ hat, was jetzt ‘vernichtet’ worden sei. Einigen Zockern ist schlicht ihr Stapel aus Jetons geschrumpft. Letztlich war das alles doch nur Spielgeld … um mich für Journalisten verständlich auszudrücken: frei flottierendes Finanzkapital, ohne jeden produktiven Nutzen.

Gerade sehe ich, dass der Herr Lübberding das ähnlich sieht.