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Ist das etwa ‘lebendiges Deutsch’?

Mittwoch, 08. Februar 2012

Mein Grad von Erfahrung in lebendigem Deutsch ist vermutlich höher als bei irgendeinem anderen Menschen in Deutschland, meine Kritiker vermutlich eingeschlossen.”

Mit Verlaub, aber mich erinnert’s nun mal eher an präpositionalen Flitzkack als an überlebensfähiges Deutsch …

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Montag, 06. Februar 2012

Stefan Niggemeier versucht sich an einer Verteidigung von Wolf Schneiders Internet-Kompetenz, ein Unternehmen, das der Quadratur des Kreises gleichkäme, wenn es Aussicht auf Erfolg besäße. Entsprechend laut schallt ein rezeptives Hallo durch jenen halben Kilometer Kommentarkorridor, der sich prompt nach diesem Wagnis geöffnet hat. In gereizten Wortmeldungen heißt es gleich mehrfach, an den Statements der jeweils anderen Partei könne man doch sehen, wie empfindlich diese zarten Blogger-Seelen gestrickt seien. Bis zum Horizont aber – von Detlef Gürtler über Christian Jakubetz bis hin zu Ulrike Langer, vom Heddesheim-Porthmann bis zu Stefan Niggemeier himself – tummeln sich vor meinen Augen dort nur gestandene Journalisten, die allerdings alle auch ‘online’ zu finden sind. Auf den Punkt gebracht: Hier streiten On-Off-Liner miteinander, ob ein nativer Offliner wie Wolf Schneider, der sich ohne Not aufs Glatteis des Web 2.0 begab, trotz notorischer Anfälle von Größenwahn immer noch Pietät verdient.

Sobald unsere Kombattanten auf andere Diskutanten wie Mimosen wirken, müssen sie sich Bloggerseelchen schimpfen lassen; bringen sie faktengestützte Argumente vor, umschmeicheln sie sich wechselseitig als wahrhafte Journalisten. Was aber der gemeine Nur-Blogger draußen auf der weiten Prärie zur großen Beckmesserei am Journalistenstammtisch sagt, das erfahren wir mal wieder nicht …

Neues aus Waldhagen

Sonntag, 29. Januar 2012

Opa Wolf Schneider, der unvermeidlichste aller Print-Dinos, hat sich mit seinen tiefschürfenden Erkenntnissen wieder mal zu Wort gemeldet. Diesmal in einem Handbuch, das sich an angehende Journalisten richten wird. Die erfahren dort u.a. folgendes:

“Die Fülle von Informationen [im Internet] verführt dazu, sich nur nützliche Nachrichten zeigen zu lassen.”

Aha! – Ich will verrecken, wenn ich verstehe, was daran ‘erschröcklich’ sein sollte, ‘Nützlichkeit’ ist schließlich ein dehnbarer Begriff. Aber egal, das Internet bleibt für unsere Cro-Magnon-Menschen im Journalismus nun mal der immerwährende Hort des Bösen:

“Das Internet gaukelt den Menschen vor, sie könnten alles erfahren, billig und schön. Doch sie erkennen nicht, was wahr ist und was falsch, sie kennen die Interessen nicht hinter der Auswahl, sie kapitulieren vor der schieren Fülle und langweilen sich über unattraktive Präsentationen mit flauen Bildern und irritierender Werbung. Die meisten Bürger haben weder Zeit noch Lust, stundenlang nach der Wahrheit zu suchen.”

Diese Erkenntnisse ebenso erkenntnisfördernd wie mephistotelisch mal ‘im Umkehrschluss’ formuliert:

“Der Holzjournalismus vermittelt den Menschen hingegen das Faktum, dass sie eben nicht alles erfahren können. Darüber hinaus wird’s allemal teuer und hässlich. Nur mit Hilfe eines ausgebildeten Steinzeitjournalisten lernen sie zu scheiden, was wahr ist und was falsch, nur mit ihm sehen sie die Interessen hinter der Auswahl, auch müssen sie angesichts der beschränkten Spaltenzahl in einem solchen Altmedium nicht länger vor der Überfülle kapitulieren, und sie können dort angeblich - öhem! - unentwegt und angeregt attraktive Präsentationen mit ganz tollen Bildern und ohne jede Werbung betrachten. Denn die meisten Bürger, unselbständig wie sie sind, haben weder Zeit noch Lust, stundenlang selbst nach der Wahrheit zu suchen, weshalb unser altjournalistisches Angebot ihnen das mühsame Selbstdenken abnimmt.” Oder so ähnlich …

Mein Gott, was für eine Horde zukunftsunfähiger und vernagelter Studienabgänger würde dort denn heranwachsen, hielten die sich an dieses Schneider’sche Lehrbuch? Da bleibt mir nur – in Abwandlung von Richard Dehmel – dieser Merkvers als Empfehlung für angehende Journalisten: “Wenn dein alter Opa spricht – glaub’ ihm nicht, glaub’ ihm nicht!

Nachtrag: Der Große Gute Wolf hat jetzt auf die Anwürfe der drei kleinen Schweinchen geantwortet – das sind natürlich alles Kommunisten, außer Pappi: “Es gibt eine Clique von Altlinken, die mich [= Wolf Schneider, den Großen] seit Jahrzehnten nicht leiden können, dann gibt es die Durchgefallenen bei der Henri-Nannen-Journalistenschule.”


Diskurse beschneiden

Donnerstag, 14. Juli 2011

Arnulf Baring, der in deutschen Talkshows längst Statler und Waldorf in Personalunion verkörpert, beherrscht jenes unauffällige Verfahren besonders gut, von dem hier die Rede sein soll. Ich meine damit nicht seine Unart, alle, die nicht seiner Meinung sind, als ‘Simpel’ auszuschreien, auch nicht seinen altersstarrsinnigen Hang zur überschnappenden Suada, die sich durch moderierende Intervention dann kaum mehr bremsen lässt – ich meine den diskreten Einsatz kleiner verbaler Stoßtrupps, die ebenso unauffällig wie wirksam sind.

Deutschland sei nun mal eine Exportnation“, verkündete Arnulf Baring jüngst bei Anne Will, als es um den Export von 200 Kampfpanzern nach Saudi-Arabien ging. Dieses Hilfswortgeschwader “nun mal” zeigte dem kommenden Diskurs gleich mal seine Grenzen auf, indem es eine argumentative Fragwürdigkeit als Banalität drapierte, als etwas, was doch jedes Kind weiß.

Gerade, weil diese beiden Wörtchen so unscheinbar sind, setzte sich in der Folge auch niemand mehr über die gezogene Linie hinweg. In der Realität aber ist dieses Pseudo-Argument einer behaupteten Faktizität völlig sinnfrei, denn mit dem Hinweis darauf, dass Deutschland “nun mal” Exportnation sei, ließen sich ebenso Menschenhandel, Opiumexport oder Giftgasschiebereien rechtfertigen. Arnulf Baring aber hatte sein Beinchen gehoben, niemand mochte an dem Pfosten mehr riechen – und so überschritt auch kein Diskursteilnehmer mehr die Grenzen des markierten Reviers: Das Betreten der Rasenfläche war verboten.

In die gleiche Kategorie fällt bei Baring der Einsatz des Beiworts “eben”. Das Marktgeschehen sei “eben keine moralische Verstaltung” durften wir von ihm lernen. Prompt waren wiederum erfolgreich alle ethischen Kategorien aus der Diskussion eliminiert, selbst wenn der Todenhöfer noch ein wenig wider den Stachel löckte.

Auch diese sinnfreie Äußerung eines rabiat-konservativen Geschichtsprofessors fällt – schauen wir bloß mal genauer hin – in das Genre interessierten Geschwurbels zu Zwecken der Diskursabwehr. Schon der Blick auf die übliche Praxis großer Unternehmen zeigt, dass die Moral sehr wohl mitten in der Wirtschaft angekommen ist. Millionenausgaben für Programme der ‘Corporate Identity’, des ‘Corporate Behavior’ oder der ‘Corporate Governance’ wären ohne die grundlegende Gewissheit, dass auch die Ethik ein Produktionsfaktor sei, schlicht nur hinausgeschmissenes Geld. Barings selbstgewisses “eben” platzt wiederum wie eine Seifenblase, wenn man es auf Logik und Realitätstauglichkeit prüft.

Erstaunlich finde ich aber diese diskursive Wirksamkeit kleiner Füllwörter, die ein Wolf Schneider aus irgendwelchen Gründen für völlig entbehrlich hält. Vermutlich, weil rhetorische Verfahren “nun mal” nicht zur Methodik des Journalismus zu zählen seien, sie wären “eben” kein Bestandteil rationaler Informationsvermittlung …

Grand Prix Bricolage

Samstag, 07. Mai 2011

Das klingt zwar gut – es stimmt bloß nicht: ‘Sprachkritiker Wolf Schneider gewann den Henri-Nannen-Preis 2011 für sein Lebenswerk – Sein Arbeitsmotto: “Qualität kommt von Qual”.’ Schön wär’s, wenn’s so wär’, denn dann wär’s so, wie’s wär’. Nichtsdestotrotz – das Wort ‘Qualität’ leitet sich nun mal von ‘qualis’, von ‘Beschaffenheit’, ab. Verführt vom gleichen Anlaut könnte ich mit gleichem Recht behaupten, dass sich der ‘Fortschritt’ vom ‘Fortissimo’ im Medienstadl ableite.

Ach so: ‘Bricolage’ heißt in etwa ‘Heimwerkelei’, ‘Kunsthandwerk’ oder ‘Bastelstunde’.

Nutzen der Füllwörter

Montag, 05. Juli 2010

Wolf Schneider ist einer der größten Eiferer gegen jeden Einsatz von Füllwörtern. Nicht ohne Grund: Kehrte doch mit ihrem Einsatz Verpöntes in den ‘objektiven Qualitätsjournalismus’ zurück: die Wertung, der Sarkasmus, die Ironie, manchmal gar der Humor. Betrachten wir zunächst den unnötigen Einsatz von Fürwörtern.

Auf geplante Steuerersenkungen musste Guido Westerwelle im Juni dann endgültig verzichten” – das wäre ein ganz normaler Schnarchsatz aus jeder provinziellen Redaktionsschmiede in Deutschland. Ein kleines ‘hinweisendes Fürwort’ aber, eine Deixis, und schon zeigt der Finger auf den notorisch Erfolglosen: “Auf geplante Steuerersenkungen musste dieser Guido Westerwelle im Juni dann endgültig verzichten“. Eine sarkastische Note ist dadurch in den Text hineingeraten, nur deshalb, weil der Schreiber plötzlich fürwortgestützt mit dem Finger auf den Übeltäter zeigt, ihn sozusagen persönlich in die Verantwortung nimmt. Mit einem weiteren ‘besitzanzeigenden Fürwort’ ließe sich ihm die Niederlage noch fester ans Bein binden: “Auf seine geplanten Steuerersenkungen musste dieser Guido Westerwelle im Juni dann endgültig verzichten“.

Noch schlimmer wäre der Einsatz eines weiteren färbenden Füllworts namens ‘auch’, dass den Vorgang in eine Reihe von vergleichbaren Niederlagen einbände: “Auf seine geplanten Steuerersenkungen musste dieser Guido Westerwelle im Juni dann endgültig auch verzichten” … die Nachricht über ein Faktum verwandelt sich prompt in den Abschluss einer mitgedachten polemischen Aufzählung. Richtig rund würde dies Verfahren durch ein zusätzliches ‘noch’: “Auf seine geplanten Steuerersenkungen musste dieser Guido Westerwelle im Juni dann endgültig auch noch verzichten“. Jetzt ist der Gipfel erreicht, den Eisbecher krönt die Kirsche, dieses letzte Ereignis in einer ganzen Kette setzt dem Nichtskönner die Eselsmütze aufs Haupt.

Zwar wurde der Satz durch jedes dieser ‘Füllwörter’ länger, aber er wurde dadurch eben nicht schlechter, allen journalistischen Ratgebern und Stiltröstern zum Trotz. Nur die ganz hartgesottenen FDP-Parteigänger fänden ihn wohl mit jedem Füllwort empörender. Selbst ‘schwammigste’ Worthülsen gewinnen in diesem wert(ungs)steigernden Füllwort-Verfahren ihren Sinn, oft sogar geradezu polemische Durchschlagskraft. Nehmen wir folgendes Faktum: “Angela Merkel regiert die Bundesrepublik Deutschland mit einer schwarzgelben Koalition seit Oktober 2009“. Es genügt hier ein einziges Füllwort, das an die Girlande angehängt wird wie eine Narrenschelle, um die Ironie erblühen zu lassen: “Angela Merkel regiert die Bundesrepublik Deutschland mit einer schwarzgelben Koalition seit Oktober 2009 irgendwie” …

Wolf Schneider erklärt das Web

Mittwoch, 07. April 2010

Sprachprodukte, die besonders schwach, langweilig oder schlecht sind, in die Welt hinaus zu lassen – das gab es früher nicht.”

Vielleicht erinnert Wolf Schneider sich wirklich nicht mehr an den Verlautbarungsstil und das hochgestemmte Feuilleton-Geschwurbel in dieser ‘guten alten Zeit’. Der Hang zur Verklärung scheint im Alter nahezu unausweichlich. Dann aber sagte er auch noch das:

“Es gibt Texte, die könnten genauso gut bei Luther, bei Goethe oder der “Bild”-Zeitung stehen – und das sind dann gute Texte.”

Ach ja – “Bumm-Bumm-Becker” … Kinners, wat waren das Zeiten!

Wolf Schneider nun wieder!

Donnerstag, 07. Januar 2010

Wolf Schneider, der Alterspräsident für journalistische Philologie in Deutschland, hat sich der Blogger-Szene zugewandt. Er unterteilt die Blogger forsch und fern der Empirie in drei hemdsärmelige Kategorien: in die ‘Nützlichen’ (er erwähnt die Dissidenten in China und die Frau Huffington), in die ‘Abscheulichen’ (hier nennt er keine Namen) und in die ‘Einsamen’. Zur Erläuterung der letzten Kategorie dann zitiert er lang und schlapp den Felix Schwenzel, dem man – neben konsequenter Kleinschreibung – zwar dies und das vorwerfen könnte, aber ‘Einsamkeit’ ist für ein Blog, das beim Leserzuspruch und bei der Kommentardichte überall ‘weit oben’ landet, nun wirklich keine stimmige Kategorie. Schon deshalb, weil sie mit der empirischen Realität und dem Rezipientenverhalten in keinerlei Zusammenhang zu bringen ist. Ganz abgesehen von ixens eigener Darstellung des Sachverhalts.

Und wenn hier schon durch Wolf Schneider selbst dem sonst so verpönten subjektiven Meinen Tür und Tor geöffnet wird, dann möchte ich darauf hinweisen, dass auf mich der deutsche Sprachpapst in seinem Lehnstuhl dort einen höchst vereinsamten Eindruck machte. Aber das mag natürlich täuschen …

Unternehmenskommunikation

Donnerstag, 03. Dezember 2009

Wir alle wissen oder ahnen, dass mit der so genannten ‘Unternehmenskommunikation’ vieles im Argen liegt. So wechselte meine Bank, aus welchen Gründen auch immer, ihren zuständigen Kundenbetreuer. Ich möge mich jetzt an Herrn XYZ wenden. Prompt erhalte ich für einen Vorgang, für den ich absolut nichts kann, von dieser Bank einen Brief, der mich in die Rolle des Schuldigen versetzt: Im befehlsgewohnten Kasernenhofton werde ich fast schon angeschnauzt, umgehend meine Kontaktdaten ‘entsprechend’ zu ändern. Oder ein Unternehmen, nur weil ich in grauer Vorzeit dort mal etwas Hipperes online kaufte, sieht mich prompt als windeltragendes Subjekt, dem es mit einer aufgesetzten Jugendsprache zu Leibe rückt. Andere Informationsmaterialien wurden anscheinend gleich auf der Marketing-Etage erstellt, denn man nudelte sie mit Buzz-Words und Bullshit-Bingo so übermäßig, dass die Hälfte der avisierten Kundschaft nur noch ‘Bahnhof’ verstehen dürfte … oder, oder, oder.

Der Tilo Timmermann, Textverantwortlicher in der Agentur achtung!, hat also völlig recht, wenn er deutschen Unternehmen die Leviten liest und ihnen den Star zu stechen versucht, denn der Text ist das unterschätzteste Instrument im Werkzeugkasten strategischer Unternehmensführung. Zugleich ist diese Missachtung ein schwerer Fehler in Zeiten des Web 2.0, wo alle in ihren Festreden zwar auf Dialog und ‘Social Media’ setzen, aber nichts dafür tun. Die meisten Unternehmen haben üblicherweise niemanden, der die Disziplin des verlangten neuen Stils beherrscht. Der Schreibknecht kommt immer noch in den Keller – oder die Agentur liefert diesen ‘Grauwert’ für ihre bunten Medien:

“Können Unternehmen diesen Dialog aus den alten Positionen heraus führen? Was auch immer sie tun: Sie werden es mit Sprache tun. Neben der Bildsprache und der persönlichen Präsenz von Unternehmensvertretern ist es vor allem Text, der ein Image schafft. Das Problem dabei: Guter Text hat keine Lobby. Eine Diskussion, wie eine gute Unternehmenssprache zum Erfolg beitragen kann, findet kaum statt. Und darüber, wie die Sprache eines Unternehmens zwischen Geschäftsbericht, Mailing und Tweet authentisch und glaubwürdig bleiben kann, auch nicht.”

So weit, so gut, so weit auch kein Widerspruch. Wenn der Herr Timmermann dann aber das Instrumentarium des Old-School-Journalismus als probate Medizin aus der Schublade holt, dann beginne ich an der Kompetenz meines eigenen Berufsstandes zu zweifeln. Denn der Text in einer medialen Welt im Wandel wird sich begreiflicherweise ebenfalls wandeln müssen. Er wird und darf nicht mehr der alte sein! Beim Herrn Timmermann aber klingt es, als wolle er alle Verantwortlichen auf der Stelle auf einen Journalismus-Lehrgang verfrachten, obwohl doch der dort gelehrte Einheitsstil für die meisten der aufgestauten Probleme verantwortlich zeichnet. Im Journalismus wie auch in der Unternehmenskommunikation:

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Zu kurz gedacht?

Mittwoch, 18. Februar 2009

Diejenigen, die an jeder Ecke des Schreibschulungsmarktes uns ebenso wortreich wie atemlos ihre kurzen Sätze anpreisen, als einzigen Königsweg zum Verständnis des Lesers, der ja bei seiner Lektüre angeblich nichts mehr liebe als den kurzen Hundetrab unterkomplexer Sätze – diese Grammatikbarden, die möchten doch bloß aus ihrer eigenen Unfähigkeit eine allgemeine Regel machen.

Weil jeder Satz idealerweise genau einen Gedanken fasst, deswegen kommen den kurzen Sätzen auch die kurzen Gedanken zu, und den langen Sätzen die langen Gedanken, so dass unsere Regel der Satzlänge sich im Handumdrehen in ein schlichtes handwerkliches Problem verwandelt, in das nämlich, auch anspruchsvollere Gedanken in Aufbau und Struktur so zu organisieren, dass sie ein ‘Nach-Denken’ des Lesers erlauben, dass die Organisation der Satzfolge einen logischen Ablauf einhält und den Leser nicht über halsbrecherische Knoten und schwankende Konstruktionen führt, sondern dass der Satz ihn vielmehr sicher am Patschehändchen fasst, so dass alle gemeinsam und Arm in Arm mit dem Gedanken zu einem guten wiewohl komplexen Ende kommen.

Noch Fragen …?