Wider den bösen ‚Ökologismus‘

Wenn der Jan Fleischhauer über Klimaskeptiker schreibt, dann erfahren wir zwar, dass er seine Buddies Dirk Maxeiner und Michael Miersch schon aus den seligen Tagen bei Broders ‚Achse des Guten‘ kennt, dass er mit ihnen mal auf einem Flussdampfer die Spree hinabgeschippert ist, von den Qualifikationen solcher ‚Klimaskeptiker‘ erfahren wir dagegen wenig. Dabei haben sich die beiden als bloße Journalisten inzwischen eine lukrative und industriefreundliche Nische in den Public Relations eingerichtet, wo sie als ’neutrale Journalisten‘ alltäglich den Klimawandel zu leugnen haben, und den ‚Ökologismus‘, einen aus den USA importierten Popanz, auch im deutschen Sprachgebrauch nach Kräften zu verteufeln trachten. Motto: ‚Erst bau‘ ich mir ’ne Sockenpuppe, dann hau‘ ich kräftig drauf‘.

Am Anfang einer solch gewagten Verteidigung sollte trotzdem redlicherweise immer die Frage nach der ‚Qualifikation‘ der beiden stehen:

„Zuerst standen Dirk Maxeiner & Michael Miersch beim Chemiekonzern Hoechst ‚in Lohn und Brot‘. Sie machten für den Chemie-Multi ‚phantasievolle Pressearbeit‘ (Handelsblatt) als Textchefs der umstrittenen Hoechst-Zeitschrift „Change“. Doch dann kamen die Werbeabteilungen der Konzerne auf die Idee, dass ’neutrale Journalisten‘ viel besser für Chemie-, Atom-, Gen- und Kohlekonzerne werben können als teure PR-Abteilungen der Konzerne.

Gut – wir wissen jetzt, es geht wohl um eine eher faktenarme, dafür aber höchst ‚phantasievolle‘ Pressearbeit: Nach dem Studium der Germanistik und Sozialpädagogik (Miersch) oder nach einigen Brrmm-Brrmm-Texten als Autojournalist (Maxeiner) wird man so in Deutschland prompt zum kritischen Klimawissenschaftler befördert, zumindest in der ‚Welt‘. Vielleicht sollte ich es dort auch mal als „kritischer Atomphysiker“ versuchen.

Fleischhauer regt sich jedenfalls darüber auf, dass eine wissenschaftlich hochkarätig besetzte Institution in Deutschland, nämlich das ‚Umweltbundesamt‘ (UBA) in Berlin, welches nach diversen Umbesetzungen seit des seligen Röttgen Zeiten keineswegs mehr eine Hochburg des ‚Ökologismus‘ ist, sondern eine schwarzgelb gelenkte Wissenschaftsinstitution, dass also diese Institution vor derart ‚kritischen Geistern‘ wie Miersch und Maxeiner ausdrücklich zu warnen wagt: ‚Was erlauben sich Strunz!‚. Im Kern lief die Kritik dieses Umweltbundesamtes sogar auf den Vorwurf blanker Scharlatanerie hinaus. Das empört den Jan Fleischhauer maßlos, schon aus Gründen alter Verbundenheit:

„Es ist jedenfalls ziemlich lange her, dass eine staatliche Institution in Deutschland erklärte, welche Meinungen in diesem Land haltbar sind und welche nicht.“

An diesem Satz ist so ziemlich alles falsch. Bestenfalls ist er geeignet, die Meute der Klimaskeptiker begeistert aufheulen zu lassen. Wissenschaftlich ‚haltbar‘ sind Meinungen nun mal nur, wenn sie ‚verifizierbar‘ sind. Wenn wir mal davon ausgehen – ich hoffe, der Fleischhauer widerspricht mir jetzt nicht – dass es sich auch bei den deutschen Universitäten zumeist noch um ’staatliche Institutionen‘ handelt, dann ist es eher die Regel, dass von dorther jene Hinweise kommen, welche Ansichten als wissenschaftlich seriös zu betrachten wären. Daran ist auch nichts ‚lange her‘. Nun ja, bekanntlich produziert die Industrie – auch die Meinungsindustrie – alle möglichen Waren, nur selten aber seriöse Ansichten.

Nach Ansicht universitärer Wissenschaft reden in manchen Zeitungen plötzlich allzu viele Blinde von der Farbe, dort, wo sich Sozialpädagogen und Motorjournalisten plötzlich über den Klimawandel verbreiten dürfen, zudem noch aus dem Dunstkreis interessierter Berichterstattung heraus. Im Grunde wehrt sich hier die Wissenschaft gegen den publizistischen Siegeszug der Public Relations – die manchmal eben auch ‚moderner Qualitätsjournalismus‘ genannt werden wollen.

Noch bräsiger – und wie gewohnt höchst lauthälsig – wirft sich prompt der Henryk M. Broder für seine Kumpels bei der ‚Achse des Guten‘ in die Bresche, um diesen ‚Shitstorm‘ weiter anzufachen. Er scheut erwartungsgemäß nicht vor einer gewagten ‚braunen Parallelführung‘ zurück, gekonnt verknüpft mit einem Seitenhieb auf Erich des Roten Zeiten. So etwas ist schließlich sein publizistisches Markenzeichen:

„Das Umweltbundesamt beansprucht die Deutungshoheit beim Klimawandel für sich und stellt Journalisten in der Debatte an den Pranger. Ein solches Vorgehen erinnert an Reichskulturkammer und DDR-Regime.“

Naja, der Satz erinnert doch eher an Henryk M. Broder. Kurzum – für mich stellt sich der Sachverhalt inzwischen so dar: Arm in Arm inszenieren der Jan Fleischhauer und der Henryk M. Broder eine ‚Weißwäscherkampagne‘ für ihre publizistischen Mitstreiter und damit auch für die verbündete Industrie. Mit dem hanebüchenen Argument, dass das Bundesumweltamt gefälligst die Schnauze zu halten hätte, wenn ein Germanist und ein Autojournalist andere Leute mangelhaft qualifiziert und industriegesponsert verblöden. Eingefleischte PR-Vertreter sehen das natürlich komplett anders, mit den gewohnten Folgen beim Publikum – der böse, böse Ökologismus will uns doch alle nur versklaven:

„Die sektiererischen Ökologisten wollen Europa in die Steinzeit zurückführen, um ihre ureigenen idiotischen Ideale zu verwirklichen. Daher reiten sie auf der Welle des “Klimawandels” – nur ein Mittel zum Zweck. Der neue Hitler sind die Ökologisten – im Deckmantel eines Gutmenschen verkleidet.“

Tscha – lieber Steinzeit, als diese ’schöne neue Welt‘

Es passt übrigens zum Bild, dass die beiden Gutächsler den Text des Umweltbundesamtes nirgends verlinken. Wo sollte das auch hinführen, wenn sich jeder selbst ein Bild macht? Sie würden halt so gern weiterhin unter der Flagge ‚kritischer Journalisten‘ segeln, weshalb sich auch ihr Leib-und-Magen-Blatt auf höchster Ebene empört über „das ungewöhnliche Vorgehen des Uba, kritische Journalisten an den Pranger zu stellen.“ Immerhin, wir wissen jetzt, dass es Teile der deutschen Publizistik als ‚ungewöhnlich‘ erachten, wenn ihre Textfabriken von Wissenschaftlern überhaupt noch als kritikwürdig betrachtet werden. Zumeist scheint unter Wissenschaftlern wohl das unkluge Motto zu gelten: ‚Was schert es die Eiche …‘. Das große Publikum erfährt das, was es von der Wissenschaft weiß, nämlich dann aus einer kontaminierten Presse. Ich würde mir mehr mitdebattierende Wissenschaftler wünschen.

Der inkriminierte Passus in der Broschüre lautet übrigens so – und ist deshalb in seiner Unangemessenheit gaaanz schröcklich, fuurchebaar und unverzoihlich: „Auch in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen tauchen mitunter Beiträge auf, die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen. Bekannt für derartige Beiträge sind die Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Die Autoren verfassten gemeinsam Bücher und schrieben für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Gegenwärtig veröffentlichen sie wöchentlich eine Kolumne in der Zeitung „Die Welt“.“ Nicht auf dem ‚Stand der Wissenschaft‘ wären die beiden? Das geht doch schon mal gar nicht, das ist doch wahrlich ehrabschneidend …

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14 Antworten zu “Wider den bösen ‚Ökologismus‘”

  1. flatter sagt:

    Über den F. sage ich ja besser nix mehr, da verliere ich immer die Constance, aber die Technik ist erwähnenswert:
    Man ‚zitiert‘ Gewährsleute, bei denen man sicher sein kann, dass sie entweder zum Interieur der politischen Mannschaft gehören oder – besser noch – den meisten Lesern unbekannt sind. Das sind dann Fachleute, somit ist das eine Fachleutemeinung. Wenn dann solche Fachleutemeinung als untedrückt geltend gemacht werden kann – schon allein weil sie sich trotz all des Aufwandes nicht durchsetzt – dann gibt man sich als verfolgt. Derselbe Dung, den Tea Party und andere bildungsferne Strömungen ausstreuen.

  2. Klaus Jarchow sagt:

    Astro-Turfing heißt der Fachausdruck für das Verfahren, das hier versucht wird …

  3. pantoufle sagt:

    Bei der Penetranz und Dreistigkeit wie in diesem Fall sollte man glatt nachfragen, wieviel Geld da geflossen ist… oder macht JF auch solchen Dummsinn für lau mit? Hofberichterstattung macht er doch eigentlich nur für die CDU.

  4. Klaus Jarchow sagt:

    Nun ja, ich warne davor, den JF zu überschätzen. Immerhin aber hat sich der Altmaier hinter das UBA gestellt und sich damit gegen Springer positioniert. Mutig und honorig, der Mann …

  5. sol1 sagt:

    Wenn der Vorwurf, Schmockeiner & Schmier würden Beiträge verfassen, die „die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen“, falsch wäre, dann wäre es ja ein leichtes für die beiden, Klimawissenschaftler zu zitieren, die ihre Ansichten stützen.

    „Dr. Benny Peiser“, der hauseigene Wetterfrosch von AchGut, taugt allerdings nicht für diesen Zweck – der ist lediglich Sport- und Kulturwissenschaftler.

    2009 hat Lorenz Jäger in der FAZ die Netzwerke der Klimaskeptiker und ihre Ideologie unter die Lupe genommen:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/klimaskeptiker-die-letzten-fortschrittsglaeubigen-1901995.html

  6. Klaus Jarchow sagt:

    Hihi – ehemals führende Trotzkisten also im Dienste der Industrie und der Tea Party? Ich habe mich schon gewundert, wo die damals alle abgeblieben sind. Das Dollste ist die Sockenpuppen-Herde, die wie bestellt und nicht abgeholt unter solchen Artikeln vorhersagbar auftaucht, ohne aber ein einziges Argument hinzuzufügen. Meistens erschöpft das Gemöhre sich in dümmlichen Kommentaren à la: ‚Bei mir auf der Terrasse waren es heute morgen 13° C. Wo bleibt denn da die Klimakatastrophe?‘

    Es ist schon ein gut geölter Mechanismus …

  7. sol1 sagt:

    Hier sind noch mehr Rumpelstilzchen zusammengetragen worden:

    http://scienceblogs.de/primaklima/2013/05/24/dies-und-das-das-umweltbundesamtsbroschurenentrustungsposting/

    (mit Abstimmung – momentan führt Broder)

  8. Klaus Jarchow sagt:

    Der Broder also: Nicht ohne Grund, nicht ohne Grund. In Punkto ‚Wissenschaftsferne‘ ist er ja kaum zu übertreffen …

  9. pantoufle sagt:

    Tscha… so kann man danebenliegen. Als ich den Artikel von JF letzten Donnerstag las, war mein erster Gedanke: Was für ein blödsinniges und nichtssagendes Thema! Und jetzt ist sogar ein kleiner Stuhlwind daraus geworden.
    Warten wir also auf den nächsten Artikel, um zu sehen, was die Nation bewegt… das man dafür aber JF braucht, ist schon ein gewaltiger Schritt herab auf der Leiter des Geschmacks.

  10. Klaus Jarchow sagt:

    Naja, pantoufle, die sind schon gut organisiert und inszenieren eine wilde Debatte mit quaisreligiösem Zungenschlag, die sich auch international zu vernetzen weiß: Sie kreieren eine Religion im Wissenschaftsgewand – und nennen sich ‚Skeptiker‘, weil ‚Leugner‘ nicht so seriös klingt.

    In Deutschland ist in erster Linie das Europäische Institut für Klima und Energie e.V. (EIKE) der Knotenpunkt, Nebenknoten sind bspw. die ‚Achse des Guten‘ und auch die Psychopathen von PI. Das EIKE ist an einigen Stellen personell mit der Stahlindustrie und mit der FDP verbandelt.

    Die Hauptaufgabe scheint darin zu bestehen, alles, was man als vage als ‚ökologische Gewissheiten‘ bezeichnen könnte, mit ebenso wildgequirlten wie obskuren Quellen zu bestreiten, wohl, um noch ein paar Jährchen so weiterwurschteln zu dürfen wie bisher.

    Wenn etwas durchweg doof klingt, heißt das noch nicht, dass solche Dummheit keinen Plan verfolgt.

    Einschlägig zum Thema noch immer diese Dokumentation der TU Freiburg, mit jeder Menge Quellenhinweisen:
    http://tu-freiberg.de/ioez/aktuelles/Klimawandel_Klimaschwindel_web.pdf

  11. sol1 sagt:

    Hier noch ein Artikel, der das Sprichwort „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ illustriert:

    http://www.sueddeutsche.de/medien/umweltbundesamt-warnt-vor-journalisten-amtlich-unserioes-1.1683586

  12. Klaus Jarchow sagt:

    Oha – nun klagen also die Klimaskeptiker auf Anerkennung als unantastbare Religionsgemeinschaft, oder wie jetzt? Pffft – Schlipsgeraderücker!

  13. sol1 sagt:

    …und wieder ein schönes Wort gelernt – „Manufactroversy“:

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/broder-und-die-klimadebatte

  14. Klaus Jarchow sagt:

    Yep – und die Sockenpuppen veranstalten in den Kommentaren dort auch gleich wieder ihr Ballyhoo. Ich frage mich, wer den Zirkus eigentlich bezahlt …