Zeitung und Wahrheit

Allseits beliebt ist er, der ‚kleine Riester-Sparer‘, seit die erbarmungslose Politik den großen Geldmarktakteuren mit einer unerhörten Umsatzsteuer von 0,1 Prozent auf die Ware ‚Geld‘ ein schröckliches Ende bewährter Geschäftsmodelle andräut. Das mediale Flaggschiff irdisch orientierter Portfolianten in Deutschland, die FAZ also, malt dem Michel jetzt 14.000 Euro Abschlag auf sein mühsam Erspartes an die Wand, alles nur wegen der Finanztransaktionssteuer, eines neuen etatistischen Ungeheuers, vor dessen gefräßigem Maul die tagträumende Bundesregierung ihn noch rechtzeitig bewahren müsse.

Mit spitzem Bleistift von einem Mathematiker durchgerechnet, statt von einem Journalisten eher nachgebetet, sieht das Ergebnis schon wesentlich minimalistischer aus – ja, eigentlich ist es so gar keiner Nachricht mehr wert: „Der „normale“ Riester-Sparer wird durch eine Finanztransaktionssteuer nicht um 14.000 Euro, sondern um jährlich 75 Cent ärmer.“ – – – Nanu, auf wessen Leim mag die FAZ-Redaktion denn da wohl gegangen sein? Und wurde sie gelockt oder getrieben?

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6 Antworten zu “Zeitung und Wahrheit”

  1. Zeitung und Wahrheit sagt:

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  2. Der Matze sagt:

    Gestern in der radioWelt von Bayern 2 warnte Herr Lars Feld (einer der Weisen aus dem Wirtschaftsland) vor „ungünstigen Effekten“ der Finanztransaktionssteuer auf die Altersvorsorge; überhaupt: das „Sparen wird insgesamt diskriminiert werden“ für den „normalen Sparer“.

    Ja und wenn ein Freiburger Professor (aufgemerkt!) so rumwarnt, dann wird das ja wohl auch so sein, nö! Immer solche „politischen Kuhhandel“ (Fiskalpakt/Finanztransaktionssteuer), da müssten die Sozen/Grünen nun mal echt nicht so sein…

    Das Interview ist abrufbar unter http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/interview-mit-lars-feld-wirtschaftswissenschaftler-zur-spanienhilfe100.html (insbesondere ab 4. Minute – ich weiss allerdings nicht, wie lange das Interview vorgehalten wird).

    Voll dankbar für die ÖR-Aufklärung ist
    der Matze

  3. Klaus Jarchow sagt:

    Der Lars Feld ist eine Sankt-Gallener Trockenbeerenauslese, wenn ich mich recht entsinne. Das heißt mit anderen Worten, er stammt direkt aus dem akademischen Herzen der Schweizer Schwarzkontenbefürworterfraktion. Was dürfen wir also erwarten von Leuten, die Steuerverbrechen als Kavaliersdelinquenz habituell abzutun geneigt sind? Und wer hat ihn überhaupt zum ‚Weisen‘ ernannt?* Philosophen sicherlich nicht.

    Das Problem ist, dass unsere Medien solche akademischen Herkunftsinformationen für Beiwerk halten oder bewusst verschweigen – und nur ein schlichtes ‚renommiert‘ vor den Professorentitel setzen und ehrfurchtsvoll von ‚Wirtschaftsweisen‘ raunen, selbst wenn die eindeutig Kampagnen im Auftrag von Lobbys fahren. Generell ist in ökonomischen Fächern nur selten Wissenschaft und meist viel Orakakelei drin … Titel hin oder her.

    Diese wüsten Abwanderungsdrohungen unserer Vereinigten Milchmädchen aus der Finanzindustrie, alles nur wegen einer 0,1%igen Steuer, das klingt so hohl, als würde ich das Autofahren einzustellen drohen, nur weil an den Raststätten die Toilettengebühr um zehn Cent erhöht wurde. Das Rechnen scheinen sie seit Lehman’s auch noch nicht gelernt zu haben, siehe die Gegenrechnung dort oben …

    *Die Wirtschaftsweisen werden übrigens von der Bundesregierung vorgeschlagen und dann vom Bundespräsidenten für jeweils fünf Jahre auch ernannt. Es handelt sich derzeit also um die schwarzgelbe ‚Weisheit‘ einer schwarzgelben Regierung. Und wie ‚weise‘ die ist, das erleben wir Tag für Tag. Und das, was dieser Feld-Hase dort treibt, das dürfen die ‚Wirtschaftsweisen‘ eigentlich gar nicht tun, nämlich öffentlich ‚konkrete Maßnahmen vorschlagen‘. Ihr Metier ist schlicht die ‚allgemeine Beurteilung der volkswirtschaftlichen Lage‘. Handlungsempfehlungen dürfen sie hingegen nicht geben. Gut, aber um ihre eigentliche Aufgabe kümmern sie sich seit Jahren schon nicht mehr. Politik zu machen ist ja auch viel spannender …

  4. Der Matze sagt:

    Zum Thema „Dr. oec.“ noch dieser traurige Witz (laut Wikipedia und oberflächlicher Websuche): der Herr ist Mitglied der Leopoldina, die mit Vornamen „Deutsche Akademie der Naturforscher“ heißt.

    Vielleicht sollte dieser Verein seinen Vornamen um „und Alchimisten“ erweitern.

    Gerne hilfreich,
    der Matze

  5. Klaus Jarchow sagt:

    Nein, nein, das mit der ‚Leopoldina‘ ist mir leicht erklärlich: Der Herr erforscht vermutlich die menschliche Natur im Selbstversuch und am eigenen Beispiel. Dazu gehören ein klarer Blick und der naturwissenschaftliche Mut, Dinge so zu sehen, wie sie liegen. Ein wenig Begriffsverwirrung bleibt natürlich virulent: Aufgefundene Barbarismen werden bspw. gern euphemistisch als ‚Eigeninteresse‘ verklärt …

  6. Glanzlichter: Schizophrenie, ein chemischer Schaltkreis und ein Bibliotheksjurist — CARTA sagt:

    […] Jarchow Zeitung und Wahrheit Wenn man mit einem spitzen Bleistift in eine Sensation piekst, geht die Luft ganz schnell […]